Beteiligung der ALS am Projekt „Jones Garten“

Seit dem Frühling 2010 beteiligt sich die Astrid-Lindgren-Schule mit der Gruppe der Arbeitslehre „Garten“ am Lengericher Jones Garten Projekt.

Schulprojekt "Mediterran" Astrid Lindgren Schule

Dieser Jones Garten liegt nordwestlich von Lengerich, oberhalb der Tennisplätze zwischen dem Krankenhaus und der LWL Klinik.

Mit den Schülerinnen und Schülern gestalten und pflegen wir dort eine „Klimawandelecke“, in der hauptsächlich mediterrane Pflanzen zum Einsatz kommen, die eine gewisse Frosttoleranz aufweisen. Das bedeutet, dass die Pflanzen leichte und mäßige Fröste in der Regel unbeschadet überstehen und auch nach strengem Frost durchaus wieder austreiben können.

Wir haben dort unter anderem kleine Palmen, Bananen, Feigen und eine kleine Olive gepflanzt.
 

Idee und Entstehung des Jones Gartens

Das Jones Garten Projekt entstand 2001, als Patienten und Mitarbeiter der Westfälischen Klinik, Bürger der Stadt Lengerich und der Amerikaner und Gartenkünstler Ronald Jones „dem uralten Traum vom Paradies eine Form gaben“.
Der Garten soll den Besucher die ihm zugrunde liegenden Ideen erfahren lassen.
Dazu gehört ein Leben in Einklang mit der Natur ebenso, wie Assoziationen zum Paradies.
Diese werden nicht nur durch die Pflanzenauswahl geweckt, sondern auch in der „Heckenmauer“ dargestellt, die den Garten umgibt und den Besuchern ein Gefühl der Gemeinschaft verleiht. Paradies bedeutet im persischen so viel wie „eingemauert“.

 

 

Die Beteiligung der Astrid-Lindgren-Schule

Seit dem Frühling 2010 beteiligt sich die ALS mit der Einrichtung und Pflege der „Klimawandelecke“ an diesem Projekt.
Dazu haben die Schülerinnen und Schüler in einem festgelegten Bereich des Gartens zunächst geholfen den Boden aufzubereiten und dort dann frosttolerante, exotische Pflanzen gesetzt. Darunter Palmen, Bananen und Feigen. Damit wird auch einem ursprünglichen Aspekt entsprochen, nach dem die Pflanzenauswahl Assoziationen zum Paradies zu wecken soll.
Inzwischen besteht die Hauptarbeit der Schülerinnen und Schüler in der Pflege der „Klimawandelecke“, die immer wieder in enger Zusammenarbeit mit der LWL Klinik und der Offensive Lengerich erfolgt. Hier bekamen wir auch große Unterstützung, als es um die Verlegung von Fließ und die Ausbringung von Schotter ging, um den Unkrautwuchs in unserem Bereich des Gartens auf ein handhabbares Maß zu reduzieren.
Insbesondere die Gärtner der Westfälischen Klinik sind immer wieder Ansprechpartner für die Schülerinnen und Schüler und unterstützen unsere Arbeit mit ihrer Anwesenheit und dringend benötigten Materialien.

 

Das Klima

Das Phänomen des Klimawandels soll hier nicht im Detail erörtert werden.
Die globale Erwärmung gilt als unstrittig und im Wesentlichen von Menschen verursacht. So ist auch das Jahr 2010 weltweit eines der wärmsten, wenn nicht das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen.

Für die erfolgreiche Kultivierung von wärme liebenden Exoten in unseren Breiten ist das absolute Temperaturminimum im Winter der wesentlichste Faktor.
In den Jahren 1998 – 2008 fielen die Winter in Nordwestdeutschland verhältnismäßig mild aus. Diese Milderung fand ihren Höhepunkt in den Wintern 2006/07 und 2007/08, in denen die Temperatur in vielen Regionen nicht unter -8°C fiel.
Seit dem Winter 2008/09 ist es in der kalten Jahreszeit wieder zu strengen Nachtfrösten von unter -15°C und mehrwöchigem Dauerfrost gekommen.
Es gibt durchaus schlüssig klingende Theorien, nach denen in den nächsten Jahren eine globale Abkühlung in Folge einer verminderten Sonnenaktivität zu erwarten ist. Trotz unserer derzeit eher kalten Winter ist dieser Trend global bislang aber nicht festzustellen.

In der Regel sorgt die nordatlantische Oszillation für eine Westdrift, die die kontinentale Kaltluft zumindest aus dem Westen Deutschlands fernhält. Anders gesagt: Wenn Islandtief und Azorenhoch vorhanden sind gibt es bei uns in der Regel eine Westströmung, mit der feuchtmilde Luftmassen zu uns gelangen.
Diese nordatlantische Oszillation hat in den Wintern 2008/09, 2009/10 und zum Beginn des Winters 2010/11 nicht in gewohntem Maße stattgefunden.

 

Das Mikroklima

Der Jones Garten liegt am Südhang des Teutoburger Waldes und somit ca. 100 Höhenmeter über dem Niveau des Münsterlandes.
Dies führt dazu, dass es hier durchschnittlich etwa 1-2°C kälter ist, als in der Ebene. Eine Ausnahme können klare, windstille Winternächte darstellen, in denen im offenen Münsterland bisweilen tiefere Temperaturen gemessen werden, als z.B. in Tecklenburg. Dieses Phänomen könnte auf das Abfließen der Kaltluft zurückzuführen sein und würde  insbesondere in den „gefährlichsten“ Nächten des Jahres einen Vorteil für Exoten in Hanglagen bedeuten.
Zudem ist die Wärmeabstrahlung im offenen Gelände des Münsterlandes vermutlich größer als in der bewaldeten Umgebung des Jones Gartens. Allerdings wurden hierzu am Jones Garten bislang keine Messungen durchgeführt. So wäre es unter Anderem wichtig zu wissen, wie sich die Hecke um den Jones Garten auf den Kaltluftabfluss auswirkt.

Nachteilig ist am Standort sicherlich, dass es keine schützenden Wände oder gar Wärmeabstrahlung von Gebäuden, Lüftungsschächten o.ä. gibt, die das Überleben von Exoten z.B. an günstigen Standorten von Innenstädten deutlich erleichtern. In größeren Städten liegen die Tiefsttemperaturen in der Regel ohnehin um einige Grad höher als im Umland.

Positiv wirkt im Jones Garten hingegen die fast ungehinderte Sonneneinstrahlung, die durch die beinahe freie Sicht des Süd-Südwest Hangs bedingt ist und im Sommer zu guten Wachstumsbedingungen führt.
Der Teutoburger Wald schirmt den Jones Garten zudem ein wenig gegen kalte Nord- und Ostwinde ab.

 

Die Pflanzenauswahl

Für die „Klimawandelecke“ des Jones Gartens wurden und werden Pflanzen ausgewählt, deren dauerhaft erfolgreiche Freilandkultur eigentlich nur unter den Bedingungen einer Klimaerwärmung zu erwarten ist und die somit den Klimawandel symbolisieren.
Viele dieser Pflanzen haben eine exotische Ausstrahlung und wecken im Sinne des Projekts „paradiesische“ Assoziationen.
Voraussetzung für die Auswahl ist zudem eine „Mindestfrosttoleranz“ von etwa -10°C.
Das bedeutet, dass die empfindlichsten Pflanzen - mit Ausnahme der Banane -  nach einer Etablierungsphase erst ab ungefähr -10°C Schäden aufweisen sollten.

 

Der Winterschutz

Die ausgewählten Arten sind gemäß den Bedingungen in ihrer Heimat Wärme liebend und bevorzugen sonnige Standorte. Andere Bedingungen führen sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Somit sind durch einen härteren Winter Schäden an den Pflanzen zu erwarten.
Ein aufwändiger Winterschutz ist jedoch weder vorgesehen noch mit vertretbarem Aufwand realisierbar. Der Zustand der Pflanzen ist somit auch ein Indikator für die Auswirkungen des Klimawandels in unserer Region, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass kurzfristige Wetterphänomene nicht einem langfristigen Klimatrend entsprechen müssen.

Die meisten Pflanzen werden vor Eintritt der ersten nennenswerten Fröste mit Rindenmulch angehäufelt. So werden die Wachstumszentren bzw. unteren Teile der Stämme auch im Falle eines Zurückfrierens der übrigen Pflanzenteile recht zuverlässig geschützt und ein Wiederaustrieb im Frühling in der Regel ermöglicht (dies ist auf den Fotos der Banane unten auf dieser Seite gut zu erkennen).
Kleinere Pflanzen sind dementsprechend leichter über einen strengen Winter zu bringen als größere.

 

Chancen vs. Risiken

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass alle in der „Klimawandelecke“ gepflanzten Arten einen milden Winter in unserer Region problemlos überstehen.
Auch den stärkeren Frost der Jahre 2008/09 und 2009/10 haben insbesondere kleinere Palmen überlebt, deren Meristem (Wachstumszentrum) durch Mulch und Schnee gut geschützt war. Bei größeren Exemplaren ohne Winterschutz hat es Verluste gegeben.
Die Gehölze (Olive, Feige usw.) treiben im Falle des Zurückfrierens in der Regel von der Basis her wieder aus.
Die Banane friert jährlich zurück und treibt im Frühling aus dem Rizom neu aus, bzw. die zurückgefrorenen Scheinstämme treiben wieder durch.
Die Pflanzen kommen der Grenze ihrer Frosttoleranz am Nächsten, wenn sie sich einige Jahre etablieren und weitere Substanz aufbauen konnten. Insofern sind insbesondere nach der Neuanpflanzung einige milde Winterverläufe hilfreich.
Sollte es doch einmal zu Verlusten kommen, können wir auch auf weitere, z.T.  frosthärtere Arten zurückgreifen.

Schäden durch Vandalismus hielten sich im ersten Jahr (2010) erfreulicher Weise in Grenzen.
Dagegen hat es durch Diebstahl bereits mehr Verluste gegeben, als durch einen strengen Winter zu erwarten gewesen wären. - Die größte Gefahr geht also bislang nicht vom Wetter aus.


Die einzelnen Arten

Trachycarpus Fortunei (Hanfpalme) 

Diese Fächerpalme wird manchmal noch unter ihrem alten Namen „Chamerops excelsa“ angeboten und gilt bei Exotenfreunden als Klassiker. Sie ist – im Vergleich zu anderen Freilandpalmen – verhältnismäßig preisgünstig, wuchsfreudig und frosttolerant und verträgt auch eher feuchte und lehmige Böden, sowie halbschattige Standorte.
Schäden an den Wedeln treten ab ca. -13°C auf. -17^C/-18°C können bei kurzzeitiger Einwirkung vereinzelt überlebt werden. Es kommt dann aber zur vollständigen Entlaubung.
Trachycarpus verfügt über eine gute Regenerationsfähigkeit, weswegen sie keinesfalls nur aufgrund von Wedelverlust aufgegeben werden sollte.

 

Chamerops humilis var. Cerifera (Blaue Zwergpalme)

Eine kleine anspruchslose Fächerpalme mit buschigem, langsamem Wuchs. Ersten Schäden sind ab -10°C zu erwarten. In Ausnahmefällen werden auch -15°C überlebt.
Aufgrund der geringen Größe und des langsamen Wachstums sollten die lebenswic
htigen Teile der Pflanze gut mit Mulch zu schützen sein.

 

Olea europea (Olive)

Ein bekannter Charakterbaum des mediterranen Raums, dessen Öl in fast jedem Haushalt genutzt wird. Bei uns sind gewöhnlich kleine Bäumchen im Handel, die in Kübeln gehalten und frostfrei überwintert werden.
Ausgepflanzt treten um -10°C erste Schäden (Entlaubung) auf. Bei tieferen Temperaturen friert die Olive zurück, treibt aber recht zuverlässig aus dem Boden oder dem im Winter gemulchten Teil des Stammes wieder aus.
Ein hoher Stamm ließe sich auf Dauer nur mit Hilfe eines aufwändigeren Schutzes erhalten.

 

Laurus nobilis (Gewürzlorbeer)

Aufrechter, strauchartiger Wuchs und elliptische, dunkelgrüne Blätter mit aromatischem Duft kennzeichnen diese Pflanze.
Die Frosttoleranz beträgt etwas mehr als -10°C. Der Gewürzlorbeer treibt im Falle des Zurückfrierens erfahrungsgemäß wieder aus.

 

Musa basjoo (Banane)

Diese Bananenart stammt aus dem Bergland Südchinas. Sie friert bereits bei leichtem Frost zurück, treibt aber jährlich aus dem Rizom wieder aus.
Der Boden wird dazu möglichst mit Mulch oder Laub abgedeckt. Mit jedem weiteren Schutz wird ein größerer Teil der Pflanze erhalten.

Selbst etwa Boden eben zurück gefrorene Pflanzen erreichen in der nächsten Saison eine Höhe von 2-3m und verbreiten mit ihren großen Blättern ein besonders exotisches Flair.

 

Hinweis: Der Bericht und die Auflistung der einzelnen Arten sind noch nicht vollständig. Das Projekt „lebt“ und verändert sich ständig. Daher wird es im Laufe der Zeit immer wieder Änderungen und Ergänzungen geben.

 

Oliver Stöckel

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